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Ein Stück Liebling aus dem Isarwinkel

Nichts als Wolle auf der Haut

Wohlfühlen beginnt im Herzen und nimmt seinen Lauf beim Ankleiden mit der Garderobe, die man am liebsten trägt. Dabei hüllt man sich in ein gutes Gewissen, weil man seine Werte in diesen Stücken verewigt weiß. In einer kleinen Gemeinde südlich von Bad Tölz, in einem typisch alpenländischen Haus haben Wohlgefühl und Bewusstsein ihren Ursprung, den ich heute zurückverfolgen darf. Ich bin zu Gast in der Manufaktur Liebling in Wackersberg, die aus Wolle „Lieblingsstücke“ fertigt und entscheidend dazu beiträgt, den Tag, die Wanderung, die Arbeit und überhaupt, das ganze Jahr mit einer behaglichen Atmosphäre zu umgarnen.

Das Ankommen vor der Manufaktur in Wackersberg ist für mich als würde ich nach Hause kommen. Denn das Zuhause von Liebling ist ein typisch bayerisches Wohnhaus, modern interpretiert und belebt, umrahmt von den Bergen, umgeben von Ruhe und erfüllt von Leidenschaft. Hier darf man ankommen, herunterfahren und seine Sinne für das Wesentliche schärfen. Für das sich verlieben in den neuen, einhundert Prozent natürlichen Janker – für nichts als Wolle auf der Haut. Einen Augenblick später, als ich inmitten der warmen, familiären Atmosphäre stehe und mir direkt ein Espresso angeboten wird, weiß ich, dass dieses Erlebnis für die Ewigkeit gemacht ist. „Matze ist gleich soweit“, höre ich von Anita, die ihren Bruder Tom, Gründer und Inhaber von Liebling, bei allen anfallenden To-dos unterstützt. Ich genieße meinen kurzen Wachmacher und sehe mich etwas um. Die Treppe hinauf zur Galerie, zwischen den unendlichen Stapeln von Jankern hindurch und entlang der passenden Accessoires.

"Du musst das Ganze eben zusammenbringen.

Bei uns geht's dabei ganz viel darum, wie das Gefühl ist. Der Vibe muss passen."

- MATZE

Bis „Matze“, Matthias Helsen, zur Tür hereinkommt und mich mit durch die Zeitreise von Liebling nimmt, weil Häuptling Tom heute einmal mehr auf Lieblingsmission ist. Der Häuptling, wie er liebevoll von seiner Familie und seinem Team genannt wird, wird nicht selten als "bayerischer Rebell" bezeichnet. Anlass dafür verschafft er sich selbst. Hinter den Mauern des Klosters Benediktbeuern aufgewachsen, als "Bua", prägt ihn ein urbayerisches Lebensgefühl und die Tradition. Er rebelliert und erhebt sich mit seiner Kreativität und seinem eigenen Sinn für das Bewahren über das ländliche Kulturgut hinweg. Er fällt auf. Zunächst mit seinem Funsport-Geschäft inmitten der Fußgängerzone von Bad Tölz. Skater, Boarder, Biker, Surfer – sie alle sind glücklich, weil sie ein Paradies für ihre Leidenschaft in Tom's verwirklichtem Lebenstraum namens Neokeltic finden. Der Widerspruch wächst mit dem Erfolg. Da ist der ursprüngliche Schafswolljanker der Mama einerseits. Andererseits das Bedürfnis, den coolen, lässigen Style der Szene, der aus "Plastik" ist und nie richtig warm wird, zu verkörpern. Der Häuptling rebelliert erneut, bricht mit der Tradition und trägt Skaterware und Janker zusammen. Das lässt ihn weiter visualisieren. Er "baut" die Kapuze seines Hoodies gedanklich an den Janker seiner Mama. Praktisch wird bald darauf der erste Prototyp von Hand gefertigt. Der Liebling war geboren. Seit 2006 legt Tom nun seit Herzblut in die Entwicklung seiner Modelle. Angepasst an die verschiedenen Körperformen, die Empfindlichkeiten und den Bedürfnissen, entstehen die Lieblinge aus feinster Wolle und mit den besten Rohstoffen.

Dabei ist die Erfahrung von Häuptling Tom entscheidend. Seit über 20 Jahren pflegt er seine "Schäfchen" und überlässt nichts dem Zufall. Die Beziehungen zu seinen Lieferanten profitieren von seiner Entspanntheit und dem Prädikat "inhabergeführt". Die Verbindung im Team entsteht durch eine rebellische Unternehmensführung. Keine Meetings, keine Protokolle. Dafür die Besprechung bei einer Brotzeit oder während dem Mittagessen draußen am Bach. Die Familie um Tom denkt anders, sie lebt anders. Alles fügt sich auf einzigartige Weise ineinander. Sind alle Bestandteile des Strickjankers fein aufeinander abgestimmt, liegt vor den Kunden und in diesem Fall vor mir, der klassische Liebling aus einhundert Prozent Lammwolle „first cut“. Also aus der allerersten Schur der Lämmer. Ausschließlich diese wird verwendet. Und da ist er nun, der Janker für's Leben.

"Was kann ich tun, um die Menschen gesund und glücklich zu machen?

Ein Produkt mit Liebe."

- TOM

Als wissbegierige Besucherin möchte ich selbstverständlich erfahren, was den Liebling Janker von all den anderen auf dem Markt unterscheidet. Dazu nimmt mich Tom zur Seite und breitet mir seine Ursprungsidee auf einer der antiken Holzkommoden aus. 


Damals kam er von seiner Reise nach Indien zurück und sah überwiegend traurige Menschen. Er hingegen war glücklich. In Indien konnte er sich von der materiellen Welt, die viele andere festhält, lösen. Das animierte ihn zu seinem Engagement, ein Kleidungsstück mit Liebe zu produzieren, was zunächst in der Theorie verweilte. Praktisch produzierte er seinen Janker mit Kapuze, den Prototypen, nur für sich. Seine Funsport-Kollegen waren von dieser neu gedachten Tradition, von diesem Style beeindruckt und wollten ihm folgen. Das Thema blieb präsent. Bis Tom dann endlich seine jugendliche Prophezeiung zum Leben erweckt. „Schon als junger Mensch habe ich gespürt, dass ich einmal was mit Klamotten machen werde. Meine Eltern sahen mich zwar als Maurer oder Zimmerer, doch ich sagte ihnen immer wieder, dass das alles recht sein mag, aber dass ich mal Chef einer Firma sein werde, die Kleidung herstellt.“ Ein "Gfui", das Tom manifestierte.


Und so formt der Trachtenrebell seit vielen Jahren Jacken aus Schafswolle, die an Komfort, Funktionalität und Style ihresgleichen sucht. Das möchte ich direkt ausprobieren und schlüpfe in meine allererste Liebling, Typ Vreni. Ja, die Kundin von Tom, die sagt, „i fühl mi wia dahoim“, hat recht. Man trägt die Jacke nicht nur, man schmiegt sich gerne in sie und sie tut es automatisch zurück.


Überhaupt definiert sich der Liebling sehr viel über das Gefühl, das Kunden und Käufer, die bei Liebling zu Freunden werden, sehr schätzen. Weil sie den Janker das ganze Jahr über tragen können, sich nicht auf das Oktoberfest reduziert fühlen. Weil sie sich darin zuhause fühlen. Der Liebling ist ein Lebensbegleiter. Strapazierfähig, bequem und unendlich stylisch.

Damit dies so bleibt, lässt sich Tom auch weiterhin von seinem Instinkt leiten. Schnitte, Garne, Farben, Wolle, Knöpfe: jedes Detail an den Jankern ist bedacht gewählt und wird von dem ehemaligen Maschinenbauer akribisch optimiert. Entspricht auch das kleinste Element nicht zu einhundert Prozent den Vorstellungen des Häuptlings, werden die Lieblinge nicht ausgeliefert. Was durchaus auch das Abtrennen von tausenden von Knöpfen zur Folge haben kann.


Qualitätsanspruch, Nachhaltigkeit und Unternehmergeist reichen sich die Hände, das spüre und sehe ich deutlich, während wir an den unterschiedlichsten Lieblingen vorbeigehen. Und Tom ist noch längst nicht müde, seine Kreativität in neue Schöpfungen fließen zu lassen. Bei Liebling passieren die Ideen. Vieles davon bekommen Kunden gar nicht mit, weil es individuelle Anfertigungen sind. Wie der Surf Poncho zum Beispiel. Tom macht einfach. Tom hört nicht auf. Weil es ihn begeistert. Weil er dafür brennt. Weil er seine Kunden glücklich machen möchte.

"Eine der besten Jacken habe ich auf der Toilette entworfen.
Das ist die ultimative Freiheit."

- TOM

Zwei Neuerungen oder ich würde vielmehr von Durchbrüchen sprechen, faszinieren mich besonders. Schaffwolltex nennt sich die Innovation, für die Tom im Jahr 2022 das Patent bekommt. Ihm ist es gelungen, die Merinowolle so anzurauen, dass sie wind- und wasserabweisend wird. Der bayerische Janker, voller Wohlgefühl, rein aus der Natur gewonnen, ohne Chemie. Neben dieser Errungenschaft darf wohl noch erwähnt werden, dass dadurch auch Kulturgut erhalten wird. Wollschafe, die es heute kaum noch gibt, werden dank des Pioniergeistes von Tom wieder mehr und prägen das Landschaftsbild sowie die Biodiversität. Schick für die Umwelt, schick für uns Menschen. Ziemlich schick finde ich auch das Liebling Mala Muster, das erste Muster, das Liebling je gestrickt hat. Die ursprünglich geplanten zwölf Farben ließen sich allerdings nicht umzusetzen und so einigt sich das Designteam auf fünf Farben. Anthrazit, Hellgrau, Grün, Blau und Weiß, woraus nun das Mala Muster besteht und auf Modellen wie Martl und Senner zu finden ist. Verarbeitet wurde in diesen Besonderheiten die weichste Wolle. Dazu selektiert die Garnspinnerei aus Italien per Hand die reinsten Fasern und spinnt daraus das edle Garn. Manufaktur durch und durch.


Noch immer trage ich Vreni auf meiner Haut und genieße das wohlige Gefühl um mich. Dabei stöbere ich durch das Geschäft und bewundere unter anderem „Thomas III“, „Benita“, „Alex“ und „Katharina“. Allesamt Janker, welche die Namen von Wegbegleitern, Freunden und der Familie tragen. Eine Widmung des Häuptlings. Immer wieder streife ich mit der Hand über edles Wollgemisch und reinste Stoffe. Hier in Wackersberg bin ich gerne und wie ich erfahre, kommen auch alle anderen Kunden mit Freude zu ihnen „raus“. Denn hier ist genügend Raum und Zeit für eine ausführliche Beratung. Es herrscht die nötige Ruhe, um die passende Farbe und das Lieblingsmodell zu wählen. Dass Menschen aus Köln und Hamburg anreisen, ist keine Seltenheit. Wieso auch nicht. Dieser schöne Flecken Erde lässt sich ausgezeichnet mit einigen Tagen Urlaub kombinieren.

Ihre Kunden scheuen sich auch nicht davor, etwas mehr Zeit zu investieren und auf ihren Liebling zu warten. Weil es eben keine Massenware ist, die mit einer hohen Verfügbarkeit besticht. Nein, es ist Qualität, die in tragbaren und überschaubaren Mengen in die liebevoll gestaltete Auslage findet. Und es ist Qualität gepaart mit echter Handarbeit, die man dem Janker ansieht. Matze und ich blicken noch einmal genauer hin und entdecken kleine Reste von Heu in der Wolle. „Das ist gar nicht unüblich. Wir entfernen diese natürlichen Spuren normalerweise. Doch die meisten Kunden wollen, dass sie drinbleiben.“ 

"Qualität braucht Zeit und Raum."

- MATZE

Authentisch ist es in der Manufaktur in der kleinen bayerischen Gemeinde. Authentisch ist Liebling. Nicht nur, weil er sich seit einer Stunde an mich schmiegt, als sei er mir auf den Leib geschneidert. Auch, weil die Menschen unter diesem Dach Authentizität ausstrahlen, weil sie sie leben. Weil dann ganz unaufgeregt Anita im Erdgeschoss beginnt, Karotten zu schälen. Sie kocht zu Mittag. „Willst du was mitessen?“, fragt sie mich. Dem Termindruck geschuldet, muss ich schweren Herzens ablehnen. Doch zum Abschied fängt mich Tom noch einmal mit seinen Gedanken ein: „Wir leben ein freies Teamgefüge. Wir kochen zusammen. Jeder bringt das mit, was ihm schmeckt und was er kann. Dann wird es eine geile Mahlzeit. So verhält es sich auch mit unserem Produkt. Wir leben die Abwechslung und das, was jeder am besten kann. Diese Ungezwungenheit, die Leidenschaft und das Ehrliche – das spüren die Menschen in unseren Jankern."


Ja, denke ich mir. Der Liebling ist mehr als ein Janker – eher ein Statement. In der Heimat verwurzelt und in der Welt zuhause – der Inbegriff von Tracht, mit einer gehörigen Portion Rebellion. Einer, der ins Jetzt passt. Dem der Spagat geglückt ist zwischen den guten alten Zeiten und dem was kommt. Einer von dem man sich wünscht, dass er einen begleitet. Durch’s Leben.

Autorin: Anja Buntz

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