Mit Steinhauser auf Weltreise

Auf der Suche nach den edlen Tropfen

Es ist warm. Viel wärmer als weiter südlich, nördlich, oder sonst irgendwo in der Region. Würde mir die herrlich sanfte Briese nicht gerade so spürbar über die sonnenverwöhnte Haut streifen, würden türkisfarbene Wogen nicht das glasklare Wasser behutsam verspielt gegen das Ufer platschen lassen, mir wäre fast schon zu heiß. Mit etwas Fantasie lasse ich aus den Weiden über mir Palmen entstehen. Eines der Strandcafés untermalt diesen lebendigen Traum noch dazu mit rhythmischer Musik: Ukulele, Steeldrums, Trommeln. Ich schließe die Augen, sehe einen weißen Sandstrand vor meinen Augen und nippe von dem Rum, der natürlich ganz hier in der Region produziert wurde. Hallo Südsee!

Einige Tage später: Ich betrat weder ein Flugzeug, noch bin ich auf eine andere Weise um die halbe Welt gereist. Ich sitze sogar auf der selben Bank, die mich noch vor Kurzem in die Südsee zauberte. Diesmal aber ist keine Sonne zu sehen und auf den Hügeln am Horizont könnte vielleicht sogar schon eine hauchzarte Schneedecke liegen. Das aber kann ich nicht sehen, denn die Wolken hängen tief und übersprühen das ganze Land, die saftig grünen, begrasten Hügel mit einem nicht enden wollenden Nieselregen. Den Tieren auf der Weide scheint das nichts anzuhaben. Ich aber mummle mich noch etwas tiefer in meinen Regenmantel und greife nach dem Tumbler, das dicke, schwere Glas, aus dem ich den Whisky zunächst über meine Lippen fließen lasse, dann über die Zunge und schließlich überall hin, um die unterschiedlichen Geschmäcker, jede einzelne Note aufnehmen zu können. Echter Genuss. Der Whisky schmeckt so wie die Landschaft aussieht. Und die sieht heute den irischen Highlands zum Verwechseln ähnlich. Wo sonst kann ein so herrlicher Whisky produziert werden. Wo, wenn nicht hier – in Kressbronn am Bodensee.

Schluss mit der Träumerei – zumindest vorerst. Tatsächlich war ich noch nie auf den subtropischen Breiten Mittelamerikas. Auch nicht in Schottland. Ich habe noch nie den berühmten dunklen, beerigen Pinot Noir im französischen Burgund getrunken und auch keinen Limoncello auf Sizilien. Mein Tor zur Welt ist heute der Bodensee, wo mich Moritz Steinhauser mit einem freundlichen Handschlag empfängt. Seit 1828 destilliert seine Familie hier schon Edelbrände. Und das natürlich nur aus dem besten Obst, für das die Bodenseeregion ohnehin schon berühmt ist. Bereits in der sechsten Generation betreiben Steinhausers dieses Geschäft und dort wo einst eine kleine Brennerei stand, befindet sich heute eine der modernsten Brennereianlagen Europas.

Fast 200 Jahre, in denen sich vieles geändert hat. Natürlich: Den Grundsätzen ist man treu geblieben. Nur das beste Obst. Nur die sorgfältigste Verarbeitung und nur langjährige Erfahrung kombiniert mit modernster Brenntechnik. Dennoch ist mit den Jahren aus einer kleinen Brennerei am Bodensee ein imposanter Familienbetrieb geworden, der zwar seinem Standort treu  geblieben ist, mit dem man aber trotzdem die ganze Welt erkunden kann. Die Produktpalette ist beeindruckend.

2014 wurden beim Internationalen Wein & Spirituosenwettbewerb in London fast 200 Gins verkostet. Gewinner war der SeeGin® Blue vom Bodensee. Steinhauser produziert also den besten Gin der Welt. Weich, frisch und gleichzeitig würzig. Trotz seiner 48% vol. lässt sich der eigentlich typische Engländer deswegen auch pur genießen. Etwas sanfter: Die Red “Réserve Edition”. Im Grand Marnierfass gelagert, mit den dadurch gewonnenen Aromen und mit 42% vol. Süße Orange in der Nase. Fruchtig im Geschmack. Würzig im Nachgang, mit einem Hauch Kirsche. Hello England!

Ein Likör zergeht auf meiner Zunge. Von Steinhausers gewonnen, aus 70 Heilkräutern und Gewürzen, die allesamt in den artenreichen Bergwiesen des Allgäus zu finden sind. Der Allgäuer-Heu ist ein Likör mit 22% vol. und dank seinem intensiven Bukett nach Heu und Kräuter, aber auch seiner einmalig facettenreichen und milden Art ein ganz besonderes Geschmackserlebnis. Griaß di‘ Allgäu!

Und natürlich spielt auch hier der Wein eine große Rolle. Seit einem viertel Jahrhundert widmet sich die Familie Steinhauser nun schon dem Anbau und der Herstellung von Kressbronner Weinen. Das warme Klima und die kiesigen Böden am Ufer des Sees lassen nämlich nicht nur Obst und Früchte gedeihen, sondern auch Rebsorten, die man hier nicht unbedingt erwarten würde. Und so wachsen neben Müller-Thurgau, Weißburgunder, Grauburgunder und Spätburgunder auch Exoten wie Sauvignon Blanc und Merlot. Bonjour la France! 

Die Weltreise geht noch einige Verkostungen weiter, aber irgendwann finde auch ich mich in Süddeutschland wieder. Wer noch tiefer in die Thematik und Produkte der Familie Steinhauser eintauchen will, dem sei eine der Workshops und Seminare im Hause Steinhauser ans Herz gelegt, eine Besichtigung der Destillerie oder vielleicht sogar ein Clubtreffen des 1. Bodensee-Whisky Club. Und wer weiß, vielleicht finden dann auch Sie sich ganz wo anders wieder? In der Karibik. Am Fuße des Ben Nevis. An der Atlantikküste Südwest-Frankreichs. Aber auf jeden Fall in Kressbronn. Am Nordufer des Bodensees. Text: Benni Sauer