Mehr als nur "Made in Bayern"

Dirndl, Lederhosen, Blusen und Röcke. Die alpine Tracht verkörpert wie kaum eine andere Mode den bayrischen Lebensgeist. Manche der Kleidungsstücke sind dabei schon seit vielen Jahrhunderten im Trend. Andere schon seit mehreren Generationen und wieder andere konnten sich erst vor wenigen Jahrzehnten durchsetzen.
Eines blieb dabei aber unverändert: Die Handwerkskunst, die Herstellung in der Region und nicht zuletzt eine gewisse Exklusivität, die gerade hierdurch erzielt wird. 

Mode made in Bayern e.V.
Unsere Kleidung, aber auch unsere Denkweise, durchliefen in den letzten Jahrzehnten einen seltsamen Wandel. Vom robusten Kleidungsstück, hin zu billig produzierter Massenware, die meistens schon nach einer Saison aussortiert wird. Denn dann ist sie nicht mehr hip – sollte sie überhaupt so lange gehalten haben.

Heute gewinnen wir glücklicherweise wieder zunehmend an Qualitätsbewusstsein. Ein teureres Kleidungsstück, dafür aber auch wesentlich langlebiger, ist uns lieber, wird viel eher zum Lieblingsteil im Kleiderschrank. Was wirklich in ist, spielt dabei natürlich noch immer eine wichtige Rolle. Doch unterm Strich, da orientiert sich die traditionelle Denkweise an althergebrachter Tracht und so wächst es wieder, das Interesse an Loden, Strick und Leder.

Eigentlich voll im Trend
Ja, die supertrendige Jugend sieht darin vielleicht eher einen schrägen Rückschritt in längst vergangene Zeiten, was nicht einmal abzustreiten ist. Doch manchmal ist eben dieser Schritt der richtige. Denn die Vorteile liegen auf der Hand: Traditionelle Bekleidung, die wie schon vor Generationen hergestellt wird, ist außerordentlich ökologisch und nachhaltig. Ein Trendzug, auf den viele Firmen gerne aufspringen. Mode made in Bayern springt aber nicht auf diesen Zug. Vielmehr ist sie der Zug, treibt ihn an, lebt und denkt ihn tagtäglich!

Mode made in Bayern ist ein Zusammenschluss aus Designern und Herstellern, die gerne etwas höhere Lohnkosten als Ausdruck besonderer Wertschätzung zahlen. Und zwar allen an der Produktion beteiligten Menschen. So bleibt das Geld im jeweiligen Wirtschaftskreislauf, was sich positiv auf die Kaufkraft und den gesamten regionalen Markt auswirkt. Aber auch kurze Transportwege, regionale Rohstoffe und die Nutzung örtlicher Betriebsstätten tragen einen großen Teil zur trendigen Handlungsweise bei. Wer langlebige Produkte herstellt, zeigt zudem einen verantwortungsvollen Umgang mit wertvollen Ressourcen.

Handstrick aus dem bayerischen Oberland
Bei Pezzo im bayerischen Oberland zum Beispiel, da wird heute noch von Hand und zwar mit zwei oder mehr Nadeln gestrickt. Petra Zoller, Gründerin und Inhaberin von PEZZO, hat ihr Hobby, das Stricken, zum Beruf gemacht. Sie sieht in ihren Kollektionen eine Verbindung von Tradition und Moderne. Aus den verschiedensten Gegenden überlieferte Muster, alte Herstellungstechniken, traditionelle Schnitte aber auch moderner Tragekomfort, Alltagstauglichkeit und hochwertige Materialien schaffen dabei ein Lifestyleprodukt der Extraklasse. PEZZO steht aber auch dafür, dass durch individuelle Anfertigung die Harmonie zwischen einem Kleidungsstück und der Person, die es trägt, wächst. Mit viel Liebe und noch mehr Zeitaufwand „nadeln“ passionierte Strickerinnen. Jedes Teil wird so ein Unikat, denn keine Hand strickt genauso wie die andere. Eine gehörige Portion Erfahrung und Geschick sind außerdem von Nöten, wenn aus exklusiven und natürlichen Garnen hochwertige Strickwaren entstehen. Dabei erwecken die Strickerinnen Trachtenmuster aus dem gesamten Alpenraum zu neuem Leben. Jacken, Westen und Strümpfe entstehen so in Zollers Manufaktur. Petra Zollers Kunden wählen zwischen traditioneller Schafwolle, gerne ergänzt durch Loden, reinem Merinogarn oder hochwertigem Kaschmir. Pezzo fertigt also in der Region für die Region.

Die tapfere Schneiderin
Caroline Lauenstein kommt ursprünglich von weither. Mehr als zwanzig Jahre ist es her, da verließ sie Hamburg und fasste Fuß in Bayern. Fasziniert von der dortigen Tracht realisierte sie, dass eben diese Tracht Kleidung ist, die nie wirklich aus der Mode kommt, die man eigentlich immer anziehen kann. Kleidung mit festen Wurzeln. 

Lauenstein merkte aber auch, dass Kundinnen und Kunden im Einzelhandel oft nur schwer erkennen können, welche Produkte tatsächlich in Bayern produziert wurden. Ebenso war sie der Meinung, dass ein Trachtenrock, der seine Wurzeln nun mal in Bayern hat, auch dort produziert werden sollte. Ihr Plan war simpel: Ein Label musste her. Gemeinsam mit ebenfalls in Bayern produzierenden Kollegen gründete sie einen Verein, ließ die Marke eintragen und schützen. Mode made in Bayern war geboren. 

Heute produziert Lauenstein als „die Rockmacherin“ hauptsächlich Trachtenröcke. Mit einem geringen ökologischen Fußabdruck kurbelt sie die Wirtschaft der Region an und fördert aktiv das Qualitätsbewusstsein. Auch wenn ihr Kollegen anfangs davon abrieten, die Idealistin blieb ihrer Linie treu und fährt damit bis heute ausgesprochen gut. Denn auch wenn nur einer ihrer Röcke mehrere hundert Euro kostet und schon billigere Kopien davon auf dem Markt sind, so greifen die Kunden immer noch gerne zu ihren Produkten. Das Gesamtpaket stimmt einfach!

TaschenfürsLeben
Mode made in Bayern ist aber noch mehr als nur Kleidung. Ganz klar was fehlt: Die Tasche. Hier kommt Birgit Bergmeier-Grimm aus Dachau ins Spiel. Werte, Tradition und Handwerk sind auch ihre Ansätze, mit denen sie schon die unterschiedlichsten Modelle entstehen lassen hat. Von der kleinen Schürzentasche, über Umhängetaschen in unterschiedlichen Größen und Formen, Schultertaschen, der XXL-Version für jeden Tag, bis hin zum Rucksack oder der flippigen Clutch findet hier Frau alles. Der Rohstoff für all ihre Produkte: 100% Wollfilz aus Bayern, Österreich oder Italien. Der Name ist dabei Programm, denn die Taschen sind wirklich fürs Leben gemacht, ganz egal ob für besondere Anlässe oder den alltäglichen Gebrauch. 

Bergmeier-Grimm verbindet mit einer Vielzahl verschiedener Arbeitsschritte zeitlose und moderne Elemente. Und auch der Mann von heute findet mittlerweile etwas in ihrem Sortiment: Beispielsweise eine schlichte Laptoptasche, verfügbar in zwei Größen und zwei Farben.  

Von Bayern in die Welt?
Caroline Lauenstein beschäftigt mittlerweile drei Mitarbeiter. Der Betrieb ist klein, ausreichend besetzt und wächst gewollt, wenn überhaupt, nur langsam. Schließlich will man sich doch gerade von der Massenproduktion abheben, der Berufung und Liebe zum Detail nachgehen, was im kleinen Kreise viel eher möglich ist. Und auch wenn die Trachtenmode überall gerne gekauft und getragen wird: Nur in Bayern hat sie ihre Wurzeln, weswegen die Vereinsmitglieder ihre Produkte größtenteils im Einzelhandel der bayrischen Städte und Dörfer vertreiben. 

Dem Verein sind bisher erst sieben Mitglieder beigetreten, allesamt der Handarbeit, Regionalität, Nachhaltigkeit und Qualität verschrieben. Hier, so Lauenstein, wäre durchaus noch Luft nach oben. Denn wenn der Verein wächst, so wird die Idee weitergetragen, regt zum Nachdenken an und findet Zuspruch. Getreu dem Motto: In der Region – für die Region.

Autor: Benni Sauer