„Für solche Fälle haben wir ja unser Kreativteam“, lacht Sarah Dünkel und schaut selbst noch etwas ungläubig an die Decke. Über ihr, über Barhocker und Zapfhahn, da hängt ein weißroter Buick Super Convertible. Das Motorworld Inn, eines von sieben Restaurants. Foodklassiker aus allen Automobil-Nationen: Burger wie am US-Truckstop. Pizza wie an der Stazione Autostradale. Und weil sich zum Benzin im Blut auch wunderbar etwas Curry gesellt, ist die berühmte Wurst auch nicht weit. Wir setzen uns. Unter Hebebühnen, auf welchen wie zufällig vergessen noch immer die Oldtimer auf das Ende einer längst vergangenen Mittagspause warten. Da spüre ich es.
Die Küche des Motorworld Inn: Erstklassig. Jetzt schon legendär. Und offen für interessierte Blicke. Der Eingangsbereich: Gläsern. Im gewohnten Werkstatt-Flair. Mit Blick in die Vergangenheit. Denn der Glasboden gibt den Blick frei, auf das was unter der Motorworld liegt – auf das, was früher hier war. Ein Ausbesserungswerk der Bahn. Tausende Lokomotiven wurden hier instandgesetzt. Wer das Motoworld Inn betritt, spaziert über die langen Werkstattgruben damaliger Zeiten. Das spürt man.
Vor einhundert Jahren spielte also schon einmal die Mobilität eine bedeutende Rolle auf dem rund 75.000 Quadratmeter großen Areal, dem ehemaligen Lokausbesserungswerk. Nach dieser Zeit jedoch kehrte Ruhe ein. Irgendwann färbten dann Spraydosen die heute denkmalgeschützten Wände. Die riesige Lokhalle, die heutigen Eventhallen Kesselhaus, Kohlebunker und Zenith.
Draußen, vor dem Motorworld Inn, lässt es sich übrigens ebenso gut aushalten. Von dem schmuddeligen Herbstwetter bekommt man hier nichts mit. Denn all die Restaurants, Bars, Cafés, Showrooms, Boutiquen und Werkstätten sind vereint unter dem gigantischen Dach der ehemaligen Bahnhalle. Die Motorworld München ist eine Stadt in einer Stadt. Alles ist hier. Dolce Vita beim Espresso gegenüber, mittags leicht und gesund in der fernöstlichen Nikkei-Küche, dazwischen ein Haarschnitt, etwas Wellness, durch die Oltimer und Supercars flanieren, oder vielleicht eine Fahrt mit den Formel-1-Simulatoren? Sarah Dünkel beschreibt das als Alltag in der Motorworld. Ein Museum sei es übrigens keines, auch wenn man daran manchmal glauben mag. Vielmehr verstehe sie das Gesamtpaket als eine Art fulminante Mobilitäts-Erlebniswelt.
Ganz so einfach sei es natürlich nicht gewesen. Gute zehn Jahre Vorarbeit stecken in der 2021 eröffneten Motorworld München. Jahrelange Erfahrung und Expertise sind hier eingeflossen. München, Stuttgart, Berlin, Köln, Zürich, Mallorca. Insgesamt zehn Mal gibt es nun schon „Raum für mobile Leidenschaft“. Und alle haben sie einen exklusiven Platz in der Vergangenheit gefunden. Alte Mauern!
Ausrangiert hatte es sich hier in München nämlich schon lange. Neues Leben eingehaucht, hat schließlich erst die Motorworld – mit allem, was dazugehört. Und so blieben auch die Graffitis an den Wänden, der abplatzende Lack der Schwerlastkrane. Schaltkästen. Das gehöre einfach dazu.
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