Steirische Bike-Kunst

SMC – Styrian Motor Cycle

Der Süden Österreichs. Nur einen Steinwurf von der slowenischen Grenze entfernt.
Die Steiermark lässt hier nicht viel von alpinen Felswänden und Gletschern verspüren. Lieblich, ländlich und sanft ist sie. Auf ihren runden Hügeln gedeiht Wein und das Sulmtal selbst, es ragt nur etwas mehr als 300 Meter über den Meeresspiegel hinaus.

Panorama- und Passstraßen durchziehen dieses Idyll. Im Norden, der Obersteiermark, finden Biker kurvenreiche Touren bis über eintausend Meter Höhe. Weit im Westen, da warten die berühmten Straßen am Großglockner. Westseitig dagegen, hinter der ungarischen Grenze, treffen Motorradfreunde auf eine ganz andere Welt. Die Welt des Balaton. Türkisgrünes Süßwasser, weiße Segelboote und bedeutendes Weinbaugebiet. Südwärts, einmal durchs romantisch-schöne Slowenien, gelangt man sogar unkompliziert und schnell ans Mittelmeer. Ein Paradies für Biker und mittendrin, da eröffnete Markus Krasser vor fünfzehn Jahren SMC – Styrian Motor Cycle.

Schon als Kind schraubte Krasser. Damals noch an seinem Puch Moped, dem er als Zwölfjähriger schon neue Reifen und Felgen verpasste. Mit vierzehn dann das erste Auto, womit das ganze Dorf ihr Unwesen trieb. Doch für den jungen Krasser war das alles mehr als nur Spaß und Tollerei. Diese Zeit ebnete ihm den Weg zur Ausbildung. KFZ-Mechaniker wollte er werden. 

Nach der Ausbildung verlor er aber seine Leidenschaft beinahe aus den Augen. Ein Hausbau, andere Tätigkeiten und schon war das Schrauben in weiter Ferne. Bis ihn sein Freundeskreis wieder auf die richtige Spur brachte. Da war es wieder, das Feuer. Krasser zögerte nicht lange und schuf im Jahr 2005 SMC. Hauptberuf: Schrauber! 

Der junge Firmengründer servicierte und baute anfangs Custombikes aller Marken, bald schon aber spezialisierte er sich auf Harley Davidson. Um jedoch die Stammkunden aus dem japanischen Sektor weiter bedienen zu können, nahm er 2007 die No-Name-Marke Hyosung ins Programm auf. Noch ein Jahr später wurde Krasser auf Victory aufmerksam und 2009 importierte er die erste Victory aus Italien – eine Hammer S in Blue metallic/Pearl White. Keine 24 Stunden blieb sie unberührt, da wurde schon an Heck und Schwinge gesägt: Die erste Hammer mit 300er Walze entstand. Die für diesen Biketyp eigens entworfenen Heckteile, Tachoumbauten und andere Teile verkauft Krasser heute noch in die ganze Welt. 2010 wurde SMC dann offizieller Vertragshändler von Victory Motorcycles. 

Vor sieben Jahren wurde SMC offizieller Indian-Händler. Mit der ältesten Motorradmarke der Welt, hatte Krasser nun auch ein Premiumprodukt im Neufahrzeughandel, welches das Geschäftsfeld abrundete. Bis heute baut SMC jährlich zwischen zwei und fünf Custombikes und unzählige kleine Umbauten und Sonderanfertigungen. Auch die Firma Indian wächst stetig und ist heute wieder voll und ganz bei den Motorradfahrern und am Markt angekommen. Die Marke Victory dagegen wurde Anfang 2017 aus Konzerngründen eingestellt. Trotzdem aber besteht SMC für Victory Kunden auch weiterhin als Servicebetrieb und baut die Fahrzeuge natürlich auch noch dementsprechend um.

Die Steiermark hat sich bis heute zu einem beliebten Ziel für Biker aus aller Welt gemausert. Die Motorradgemeinde ist groß, die Straßen in sehr gutem Zustand und in den Sommermonaten laden Festivals und Events zum geselligen Beisammensein. Übrigens: Was für US-Biker die Route 66 ist, das ist für steirische Motorradfreunde die B 69. Ein Geheimtipp ist die Bundesstraße, von den Bikern liebevoll Route 69 genannt, nur wahrlich nicht mehr. Doch sie zählt zu den schönsten Ausflugstrecken überhaupt! Dem Flusslauf der Mur folgend, entlang der slowenischen Grenze und natürlich auch darüber hinaus, ergeben sich herrliche Ausblicke und anspruchsvolle Teilstrecken. Sogar ein Bikertreffpunkt, der sich mit US-amerikanischen Stil einen Namen gemacht hat, liegt auf der Tour: Das Tour69 Bikercamp. Kult!

Krasser schraubt derweil in seiner Werkstatt weiter. Zusammen mit der Lagerfläche ist diese 250 Quadratmeter groß, die Verkaufsfläche mit 180 Quadratmeter kommt da noch obendrauf. Mit seinen zwei Mitarbeitern verkauft er hier Bikes – und wohl noch viel wichtiger – schneidert sie passgenau auf die Kundenwünsche zu. Bei SMC geht es dabei aber bei Weitem nicht nur um Anbauteile oder Produkte aus dem Katalog. Krasser hegt eine gute Zusammenarbeit mit einer benachbarten CNC Firma. Echte Einzelstücke werden so entworfen und gefertigt. Ein Vorteil, den Krassers Kunden schätzen. Auch Airbrusher, Sattler und Linienmeister kommen aus dem näheren Umfeld und so wird SMC zu einem flexiblen, perfekt eingespielten Team. 

Dass dabei echte Liebhaberstücke entstehen, steht ganz außer Frage. Eines dieser Stücke beispielsweise fährt ein Tiroler Museumsbesitzer: Die Indian Chief „Bagger TOP Mountain“. Eine Indian Chief Vintage MY16 mit einem Hubraum von 1811 ccm und 92 PS. Lenker, Bugspoiler, Sitzbank, Heckfender, Auspuffanlage und vieles mehr sind handgefertigte Sonderanfertigungen aus dem Hause SMC. Viele hundert Arbeitsstunden stecken in dem Schmuckstück. Als eines der Highlights der Sammlung des TOP Motorcycle Museums wurde es schon auf renommierten Ausstellungen weltweit gezeigt. In den Sommermonaten auf der Straße unterwegs, so ist sie den Winter über bei Hochgurgel am Timmelsjoch auf 2150 öffentlich ausgestellt. Ein Museumsstück geschaffen zu haben, das erfüllt den leidenschaftlichen Schrauber mit Stolz. Aber Krasser blickt noch weiter nach vorne. Einmal in den USA auszustellen, als europäischer Bike-Schrauber für ihn ein Traum. Bei einer Prämierung mitzufiebern, vielleicht einen Preis ergattern. Ja, die Liste ist lang. Für sie hat Markus Krasser aber noch mehr als genug Schrauberjahre vor sich. Autor: Benni Sauer 

Styrian Motor Cycle
Moos 9a
8542 St.Peter im Sulmtal, Österreich
markus@smc-design.at
www.smc-design.at 

Die TOP MOUNTAIN aus dem Hause SMC ist ausgestellt im:
Museum Hochgurgl
Top Mountain Crosspoint
Timmelsjochstrasse 8
6456 Hochgurgl, Tirol