Das KRANZBACH: Mein Hideaway

Titelfoto: © Robert Kittel

Mary Isabel Portman, eine talentierte, englische Geigerin, studierte einst in Leipzig Musik. Sie war in den Alpen mit der Pferdekutsche auf der Suche nach dem Schachenhaus von König Ludwig II., als sie anhalten ließ. Die Kranzbach-Wiese, jene märchenhafte Lichtung zwischen dem Karwendel im Osten und dem Wetterstein im Westen, faszinierten sie. Beim Betrachten des Panoramas, der sogenannten ‘goldenen Runde’ entschied sie: “hier werde ich mir mein hideaway bauen”.

1913 unterzeichnete die junge, für damalige Verhältnisse ausgesprochen eigensinnige und mutige Frau den Kaufvertrag. Seitdem ist viel passiert: Kriege brachten das Haus in die unterschiedlichsten Hände. Ein Brand zerstörte einen Teil des Haupthauses. Seilbahnen wurden gebaut. Das Flair, der Grund warum Portman aber genau hier bauen ließ, es ist noch immer spürbar. Vielleicht sogar stärker als jemals zuvor.

Die englische Musikerin war hier vor mehr als einhundert Jahren auf Reisen. Sicher war das eine anstrengende Unternehmung, die Wochen, vielleicht sogar Monate in Anspruch nahm. Unsere Anreise war dagegen nur ein Wimpernschlag und schon als die ersten, noch immer verschneiten Gipfel am Horizont erstrahlen, lassen wir unseren Alltag, die Sorgen und den Stress weit hinter uns. Wir steuern den Wagen unter der Zugspitze hindurch, an ihren gigantischen Wänden entlang, bis plötzlich der Zauber des KRANZBACH zu wirken beginnt.

Wenig später türmt sich dann noch die Karwendel-Nordkette eindrucksvoll vor uns auf – die goldene Runde ist perfekt, aber dann biegen wir urplötzlich ab. Noch aber ist nichts zu sehen – nichts als Wildnis, Natur, Bäume und Berge. Durch den dichten Wald kurven wir noch ein wenig das Sträßchen entlang, versuchen geduckt einen Blick zu erhaschen, bis sich die Fichten plötzlich lichten. Bis die Straße plötzlich endet. Auf etwas mehr als 1000 Metern stehen wir auf einer grünen Lichtung. Direkt vor dem KRANZBACH. In diesem Moment ist uns zwar noch nicht ganz klar, was uns erwarten wird, wir wissen nur, dass wir angekommen sind. Und, dass es etwas Besonderes werden wird.

© Anneliese Kompatscher

Imposanter Bau in überwältigend schöner Bergwelt
Das KRANZBACH ist kein übliches Hotel, da sind wir uns schnell einig. Was ist es aber dann? Um dieser Frage nachzugehen, wollen wir uns in den folgenden Tagen viel Zeit nehmen. Wir beziehen unser Zimmer, genießen den Ausblick, schlendern über die Wiesen, bestaunen die Berge, lassen uns die frische und außergewöhnlich leichte Küche des Hauses schmecken. Wir tun genau genommen nichts. Aber eben mit einem etwas anderen, einem ganz neuen, ungewohnten Bewusstsein. 

Der erste Abend im Karwendel verläuft ruhig. Ebenso wie die Nacht. So mächtig der Bau auch erscheinen mag, das KRANZBACH liegt abgeschieden, mit seinen abgetreppten Dachkanten, den sogenannten Staffelgiebeln, die deutlich zeigen, dass die Bauherrin auch Elemente aus ihrer nordischen Heimat hier hat einfließen lassen. Fast schon versteckt sich das Haus in einem geschützten Bergtal. Imposant arrangiert, mit den beiden Torhäusern und einer mächtigen Wasserfontäne, die man unweigerlich passieren muss, will man sich dem Hideaway nähern. Durchfahrtstraße gibt es keine und allein die Bergwiese, auf der die Häuser stehen, misst stolze 130.000 Quadratmeter. Hier zu sein, das fühlt sich fast an wie auf einer einsamen Insel, nur dass die Wellen und Wogen nicht blau, sondern waldgrün und felsgrau sind. Wohin man auch blickt: Echte Natur!

© Anneliese Kompatscher

Natur vor der Tür – Natur auf dem Teller
Am nächsten Vormittag treffen wir uns mit Susanne Erhart im Kräutergarten direkt neben dem Haupthaus. Die Tirolerin studierte Gesundheitsförderung, schloss darüber hinaus unzählige Aus- und Fortbildungen im Bereich der Heilkräuter und -pflanzen ab und kümmert sich nun liebevoll um den Kräutergarten des KRANZBACH. Sie weiß aber auch, dass die Höhenlage sowie die Standortbedingungen eine besondere Herausforderung sind. Sie pflegt sozusagen einen Versuchsgarten, der ständig in Entwicklung bleibt. Gerne führt sie Gäste durch ihren Garten, zeigt ihnen die mehr als einhundert verschiedenen Kräuter- und Heilpflanzen. Um die Mittagszeit, wenn die Inhaltsstoffkonzentration am höchsten ist, erntet sie dann die Kräuter, die essbaren Blüten, Pilze und vieles mehr. Diese werden im Haus getrocknet und finden Verwendung in Tees, im Spa, aber natürlich auch in der Küche. 

In dieser Genießer-Küche kreiert Küchenchef Michael Eigl und sein Team aus frischen Produkten und Erzeugnissen der Region feinste Gerichte – raffiniert vollendet mit den Kräutern aus Susanne Erharts Garten. Leicht, gesund, regional und ganz wundervoll im Geschmack. Das umfangreiche Weinangebot rundet den Genuss ab. 

Wir sind beeindruckt über Susannes liebevolle Arbeitsweise, ihr immenses Fachwissen und die Liebe zum Detail. Ebenso staunen wir über Michaels Kunstwerke, die neuen Interpretationen und althergebrachten Klassiker. Zum Schluss gibt Susanne uns noch ein Zitat von Hermann Hesse mit auf den Weg. “Die Beschäftigung mit Erde und Pflanzen kann der Seele eine ähnliche Entlastung und Ruhe geben wie die Meditation.“ Wir spüren, was Susanne uns sagen will. Und wir beginnen zu spüren, welche Werte im KRANZBACH zählen. 

Kraftplatz KRANZBACH
Am Nachmittag packt uns dann aber doch der erste Bewegungsdrang. Die ruhige Atmosphäre auf der Bergwiese ist zwar wohltuend, doch erst wer die Kombination aus Erholung und Aktivität lebt, kostet das KRANZBACH voll aus. Dabei hat man allerdings die Qual der Wahl: Vom Wandern, Radfahren und Schwimmen, bis hin zum Mountainbiken, Klettern und Bergsteigen – vielleicht sogar auf Deutschlands höchsten Gipfel, die Zugspitze?

Wir beschließen erstmal die Kirche im Dorf zu lassen und begeben uns mit Naturführer Hubert auf eine Wanderung durch die umliegenden Wälder. Draußen, auf der sonnenüberfluteten Wiese, da ist es ruhig. Hier, zwischen den imposanten, haushohen Baumriesen aber, ist es still. Welch Wanderglück! Wir passieren eine runde Holzplattform, die versteckt hinter den Bäumen liegt. Und wir finden ein Gebäude, erbaut aus nichts als Glas und Holz, das, so modern es auch wirkt, sich so gut in den Wald einfügt, als stünde es schon immer an dieser Stelle. Was es wohl damit auf sich hat? 

© Anneliese Kompatscher

Von der Idee KRANZBACH zum hideaway der Alpen
Als uns der Wald wieder ans helle Mittagslicht spuckt, glauben wir, der Idee KRANZBACH ein Stück nähergekommen zu sein. Es ist, kurz gesagt, Rückzugsoase für Ruhe, Entspannung und gesunde Ferien. Das KRANZBACH scheint vom Touristen-Trubel nichts wissen zu wollen. Es steht einfach nur auf dieser Wiese. Im Hier und Jetzt.

Heute ist das Haus Teil eines durchdachten Konzeptes. Das Herzstück, das Mary Portman House, verknüpft mit dem neuen, modernen Gartenflügel, den beiden ebenso denkmalgeschützten Torhäusern, in denen übrigens auch genächtigt werden kann, und sogar einem Baumhaus. Letzteres ist nichts anderes als eine Luxusausführung unserer Kindheitsträume. Mit einladender Holzterrasse und Badewanne, Waldblick inklusive – drei Meter über dem Boden. Die Zimmereinrichtungen im KRANZBACH erinnern dabei stark an den romantischen Landhausstil, mit viel Holz, hellen Farben, immer aber auch mit modernen Kontrasten, und an den richtigen Stellen durchaus mit Ecken und Kanten. Zimmer, welche die Wiesen, die Wälder und Berge genauso integrieren, wie Gesundheit, Genuss, Sport und Meditation. Und Letzteres ist am Ende auch die Lösung für die ungewöhnlichen Bauwerke, die wir im nahegelegenen Wald fanden. Sie wollen wir uns am Nachmittag genauer anschauen.

Yoga, Meditation und Nature Spa
Das Geheimnis um die runde Holzplattform zwischen den Bäumen ist schnell gelüftet. Es ist quasi das Sportstudio der Natur, wo wir mithilfe einer Yogalehrerin beginnen, Klarheit, Gelassenheit und Achtsamkeit zu spüren. Wir, die mit Yoga zuvor nur relativ wenig am Hut hatten, merken nun, wie gut es uns tut. Wie einfach es ist. Wie sich Spannungen lösen. Der Wald, mit all seinen leisen Geräuschen und süßen Gerüchen, macht es uns leicht und so finden wir uns heute erstmals selbst, begreifen, wie glücklich das macht. Und ist es nicht am Ende genau das was zählt?

Nach unserer Yoga-Einheit bleiben wir noch ein wenig auf der Plattform liegen. Es ist einfach zu schön hier, um einfach aufzustehen, um einfach fortzugehen. Warum auch? Wohin auch? Wir sind dort, wo wir am liebsten sind: Im Nirgendwo. Und wir tun das, was wir gerade am liebsten tun: Nichts. Heute lassen wir noch einmal die E-Bikes im Radkeller stehen. Wir lassen die Gipfel allein in der Abenddämmerung versinken. Und auch das Meditationshaus möchten wir uns erst morgen, dafür aber ganz genau und mit viel Zeit ansehen. 

Dafür lassen wir noch ein wenig den Wald auf uns wirken. Dr. med. Christine Müller, die ärztliche Leiterin des KRANZBACH, wird uns später noch einiges darüber erklären können. Sie freut sich vor allem darüber, dass das, was wir Menschen schon immer intuitiv gespürt haben, nun auch wissenschaftlich belegt wurde. Der Wald tut uns gut! Da geht es um eine Art Kommunikation zwischen uns und dem Wald. Da geht es um Terpene, um schlaffördernde Eigenschaften, Senkung des Pulses, protektive Wirkungen und, und, und. Wir müssen das alles nicht verstehen. Aber jeder von uns sollte es einmal gespürt haben – und das geht in den Wäldern ums KRANZBACH ganz besonders gut.

© Anneliese Kompatscher

Altenglisches Schloss von außen, Wellness-Tempel von innen
Die E-Bikes chauffieren uns am Morgen ganz unbeschwert in Berge hinein. Eine wunderbare Erkundung einer wunderbaren Welt. Dank der Akkus bewältigen wir sogar ohne Anstrengung die Anstiege und gelangen so pünktlich zum light lunch zurück ins KRANZBACH. Während wir morgens und abends gut und gerne die regionalen Produkte und Kreationen genießen, freuen wir uns von Tag zu Tag mehr auf die leichten Leckereien des Mittagstischs. Suppe, Salatbuffet und hausgemachtes Brot. Das genügt vollkommen und lässt uns gestärkt, aber nicht zu schwer in den Nachmittag starten. Denn heute wartet ja noch das Meditationshaus auf uns!

Seit 2008 trägt das Haus die Höchstwertung des maßgeblichen deutschen Wellness-Führers: Der Relax-Guide vergab vier Lilien und 20 Punkte. Sicher, an dieser Wertung sind die Pools, Saunen und Ruhezonen, beteiligt. Doch der größte Hingucker ist das Bauwerk aus Holz und Glas. Als es in mein Blickfeld rückt, beginne ich langsamer, vorsichtiger zu laufen. Nicht etwa aus Angst, etwas beschädigen zu können. Vielmehr, um das Bauwerk genau zu inspizieren. Es auf mich wirken zu lassen. Seine energetische Ausstrahlung einzufangen. Und um es zu verstehen. Ein japanischer Architekt hat dieses Gebäude entworfen, ein Mann aus jenem Land, in dem die Meditation schon seit Jahrtausenden eine große Bedeutung hat. 

Was sich dann im Inneren des Hauses abspielt, ist nur schwer in Worte zu fassen. Greifbarer ist, dass Axel Zeman, unser Meditationsguide unter anderem in Zen-Tempeln und Klöstern in Südkorea und Japan lernte und praktizierte. Etwa 40 Jahre Erfahrung hat er nun auf diesem Gebiet. Mit Theorie und natürlich auch Praxis, gibt er uns einen Einblick in die Zen-Meditation – ein Erlebnis, das mich lange, vielleicht nie wieder loslassen wird. Im Anschluss wird Tee gereicht, was angesichts der mehrjährigen Ausbildung von Axel in japanischer Tee-Zeremonie einen abschließenden Höhepunkt der Meditations-Einheit bildet.

So endet unser Kurzurlaub in den Bergen zwischen Garmisch und Mittenwald. Intensiv, aber auch entschleunigend. Ruhig, aber durchaus auch sportlich. Lecker und gesund zugleich. Wir glauben, nun besser zu wissen, was uns wirklich gut tut. Was wir wirklich brauchen. Und auch, was wir wirklich wollen. 

Text: Benni Sauer